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Erntedank ganz im Zeichen der Schöpfung

Es ist schon gute Tradition das die Mitglieder des Stammes Sankt Aegidien den Erntedankaltar ihrer Heimatkirche feierlich dekorieren, Am 26.09.2025 traffen sich die Pfadis und Jupfis um dem Altar mit den Gaben der Ernte liebevoll zu gestalten. Das Ergebnis ließ sich sehen. Am Sonntag war dann der große Erntedanktgottesdienst im Zeichen der Schöpfung. Inhaltlich wurde der Gottesdienst von den Pfadfindern und unserem Kurat Franz gestaltet. Er hielt auch die Predigt, die hier nachzulesen ist:

Das ist schon eine etwas eklige Vorstellung: Ein zerlumpter Mann, krank und mit Geschwüren liegt in der Gosse. Hunde lecken an seinen Geschwüren und Wunden. Er bekommt nichts zu essen, nicht einmal schäbige Reste die vom Tisch herunterfallen und er verreckt jämmerlich. Es ist Lazarus.

Diese unangenehme Geschichte erzählt uns Lukas in seinem Evangelium und sie wird uns heute im Sonntagsgottesdienst präsentiert. In unserer Komfortzone. Eine Zumutung.

Und es kommt noch schlimmer: Der anständige Reiche, der ebenfalls stirbt, kommt in die Unterwelt, wo er qualvolle Scherzen leidet. Offenbar die klassische Vorstellung von der Hölle mit unerträglicher Hitze und großer Qual.

Wir sollen uns natürlich mit dem armen Lazarus solidarisieren, der zu Lebzeiten nichts zu lachen hatte und der zum Ausgleich nun nach dem Tod in Abrahams Armen ruht. Ihm geht es gut.

Der Reiche hat alle Wohltaten schon zu Lebzeiten genossen – ganz so, wie wir es von Amos in der Lesung gehört haben. Er hängt nun zur Strafe in der Unterwelt fest. Ihm geht es schlecht.

Und wir können uns fragen: Wo stehen wir bei der ganzen Sache? Gemessen an den „Lazaruses“ dieser Welt leben wir in einem perversen Wohlstand. Gemessen daran müssen wir uns wohl das die Reichen verstehen.

Aber die Geschichte geht ja noch weiter: Irgendwann checkt der Reiche, dass er Mist gebaut hat, dass er zu Lebzeiten in Saus und Braus gelebt hat und sich wider besseren Wissens nicht um die Nöte der Menschen gekümmert hat, die Hilfe gebraucht hätten. Der hat den Lazarus nicht beachtet und ihn einfach verrecken lassen.

Und dann kommt er auf eine schlaue Idee. Es wäre doch gut, wenn jemand seine Brüder warnt, die noch nicht gestorben sind, damit sie nicht den gleichen Fehler machen. Es wäre doch eine coole Show, wenn dazu der Lazarus von den Toten aufersteht und den Menschen erklärt, dass es keine gute Idee ist, sich gegenseitig abschätzig und schlecht zu behandeln.

Im Evangelium heißt es dann: „Darauf sagte Abraham zu ihm: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.“

Vermutlich stimmt das! Und wir heute hier können uns fragen: Lassen wir uns eigentlich überzeugen von einem, der von den Toten auferstanden ist? Da kennen wir ja jemanden.

Ich kann den Gedanken von dem Reichen gut nachvollziehen: Es wäre doch gut die Menschen zu warnen, sich so zu verhalten wie es eigentlich gut wäre, ins Gedächtnis zu rufen, was wir eigentlich wissen, aber vielleicht aus dem Blick verlieren.

  • Wir wissen, dass alle Menschen in gleicher Würde von Gott geschaffen sind. Dieser Gleichheit der Würde steht eine krasse Ungleichheit der Lebenswelten und -chancen der Menschen in aller Welt gegenüber. Das ist ein echter Reichen-Move.
  • Wir wissen, dass wir Gott in den Menschen erkennen können, denen wir tagtäglich begegnen: Der drogenabhängigen Frau am Bahnhof, die um etwas Geld bettelt, dem psychisch kranken Mann in der Fußgängerzone, der sich seltsam verhält. Wir ziehen uns zurück und wollen die Augen lieber verschließen. Das ist ein echter Reichen-Move.
  • Wir wissen, dass wir beauftragt sind die Schöpfung in ihrer Vielfalt zu bewahren. Und doch plündern wir die Geschenke der Schöpfung aus und hinterlassen nichts als Zerstörung und Verwüstung. Das ist ein echter Reichen-Move.
  • Wir wissen, dass wir unserem Nächsten barmherzig und liebend zugewandt sein sollen. Und doch findet sich in unserer Gesellschaft Abgrenzung und Hass. Das ist ein echter Reichen-Move.
  • Wir wissen, dass wir als Pilger*innen der Hoffnung mit Zuversicht in die Zukunft gehen können und von dieser Hoffnung, die in Gott gegründet ist, weitererzählen sollen. Aber wir genügen uns selbst, schließen uns ein, resignieren. Das ist ein echter Reichen-Move.

Das wissen wir alles, aber erinnern wir uns daran? Gibt es jemand der uns warnt? Und lassen wir uns eigentlich überzeugen von einem, der von den Toten auferstanden ist?

Erinnern wir uns gemeinsam an Jesu Botschaft, ermutigen wir uns gegenseitig zu mutigen Schritten auf dem Weg seiner Nachfolge.

Und wie es sich gehört, durfte das Pfadfinderlied um den Altar nicht fehlen.

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